Tipp-Kick-Oberligist SK Schangel Schöppenstedt stellte sich vor
Die Plattfüße treten die Ecken und Freistöße

Zeitungsartikel Wolfenbütteler Zeitung vom 16. Mai 1988

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Sepp Herberger hat immer behauptet, der Ball sei rund. Generationen von Trainern und Sportreportern haben diese kühne These ungeprüft aufgegriffen und leichtsinnigerweise allsamstäglich verbreitet. Alles erstunken und erlogen! Der Ball ist zwölfeckig. Sie glauben es nicht? Dann fragen Sie mal Georg Becker aus Schöppenstedt. Der 33jährige Postbeamte ist Gründer und Präsident des SK Schangel Schöppenstedt und spielt mit der ersten Mannschaft in der Oberliga. Nee, nee, nicht "Mensch ärgere Dich nicht", Fußball, Tipp-Kick, genauer gesagt.

Die Unterschiede sind, betrachtet man die Dinge aus der Nähe, minimal. Das Spielfeld ist genauso grün, nur ein wenig kleiner (112 mal 70 Zentimeter) und statt mit Rasen bewachsen ist es mit Filz überzogen. Die Spielfiguren werden in ausgeschlagenen Holzkästen aufbewahrt, sind etwa zehn Zentimeter hoch, aus Metall und agieren auf Knopfdruck. Das Wichtigste an ihnen ist ihr rechter Fuß. Der wird in stundenlanger Arbeit sorgfältig zurechtgefeilt. Jede Figur ist ein Spezialist. Die Plattfüße zum Beispiel treten die Ecken und heben Freistöße über die gegnerische Ein-Mann-Mauer.

Doch lassen wir einen Fachmann zu Wort kommen. "Wir werden noch ein bißchen stiefmütterlich behandelt; Tipp-Kick ist Sport, kein Spiel-Spaß. Konzentration, Reaktion und Schnelligkeit müssen zusammenkommen, und außerdem muß man die Feinmechanik der Figuren beherrschen", erzählt Georg Becker und kündigte an, daß sein Verein die Aufnahme in den Deutschen Sportbund anstrebe. Der Auftritt der Tipp-Kicker auf unserem Medienstand fiel mitten in ihre Vorbereitungsphase für die alles entscheidenden Spiele um den Aufstieg in die Zweite Bundesliga gegen Hildesheim.

Eine Mannschaft besteht aus vier Spielern, die über einen Torwart und vier Figuren verfügen. Zwei dürfen gleichzeitig auf dem Platz stehen, gewechselt werden darf beliebig oft. Jeder spielt gegen jeden, zweimal fünf Minuten lang. Elfmeter gibt es, wenn der Ball die Hand eines Spielers im Strafraum berührt. Wer am Zug, pardon: Schuß ist entscheidet der Zufall. Die Hälfte des Balles ist schwarz, die andere weiß.

Wie alles angefangen hat? "Ach, es war mal wieder Weihnachten, und meine Frau fragte mich, was sie mir schenken solle. Da habe ich an meine Jugend gedacht und mir so ein Spiel gewünscht. Das habe ich dann gleich mit in die Kneipe genommen, hab' gedacht spielste 'mal ein Bier aus. Vier Wochen später haben wir unser erstes Freundschaftsspiel ausgetragen."